Berlinrundgänge mit Walter Kreipe
 

Die Mauer - vom Potsdamer Platz zum "Band des Bundes"

Die Mauer - vom Potsdamer Platz zum " Band des Bundes" - durch die Ministergärten - Holocaust  Mahnmal - Brandenburger Tor - Ben Wargins
Mauermahnmal am Spreeufer

Treffpunkt: an der Verkehrsampeluhr auf dem Potsdamer Platz
Dauer:  2-2 ½ Stunden ( oder länger: je nach Wunsch )

Dieser Rundgang beschäftigt sich zum einen mit der Geschichte der Berliner Mauer von 1961, zum anderen mit der modernen Architektur auf dem Gelände des Potsdamer Platze und des ehemaligen Mauerstreifens.
„Die Mauer muss weg!“ Seit 1961, dem Jahr des Mauerbaus, war den Berlinern diese Forderung stets gegenwärtig. Und dennoch: Nicht wenige, besonders im Westen, und zwar bis in die höchsten politischen Etagen, schienen sich mit der deutschen Teilung abgefunden zu haben. Wie lässt es sich sonst erklären, dass im ehemaligen West-Berlin der Bau einer Nord-Süd-Stadtautobahn quer über den Potsdamer Platz im Gespräch war, dass in den 70iger Jahren mitten auf die Potsdamer Straße, immerhin die Bundesstraße 1, die Staatsbibliothek gebaut wurde? Es schien so, als hätte man ein Zusammenkommen des Getrennten auf ewige Zeiten ausgeschlossen.
Als die Mauer zur Überraschung der meisten Zeitgenossen fiel, entsann man sich indes der alten Parole: Auch die letzten Reste des verhassten Bauwerks sollten verschwinden! So sind von der Berliner Mauer, deren Bilder um die Welt gingen, nur noch wenige Überbleibsel im Stadtbild vorhanden.
Bürgerinitiativen und beherzten Politikern, die sich gegen den Zeitgeist stellten, ist es zu verdanken, dass einige Mauerabschnitte in letzter Minute gerettet werden konnten, um an die 28 Jahre der Spaltung Berlins und Deutschlands zu erinnern, an die über 1000 Toten an der Berliner Mauer und der innerdeutschen Grenze.
Bei unserer Suche nach dem Verlauf der Mauer helfen uns eine Doppelreihe von Kopfsteinpflastersteinen, die sich über 8 km durch die Innenstadt zieht, sowie bemalte Mauersegmente, zu sehen auf dem Potsdamer, dem Leipziger Platz und der Stresemannstraße. Und natürlich alte Fotos.

Wir gehen der Frage nach, wie es zur Zeit der Mauer zwischen Potsdamer Platz und Spreeufer aussah, welche Gebäude oder Gebäudeteile in dieser verlassenen Gegend überhaupt noch standen, als auf dem Todesstreifen DDR-Grenzpatrouillen und die wilden Kaninchen das Sagen hatten.
Heute ist die jahrzehntelange Brache zwischen Ost und West neben der Gegend um die Gedächtniskirche im Westen und dem Alexanderplatz im Osten das dritte quirlige Zentrum Berlins, glamouröser Austragungsort der Berlinale, wo man niemandem mehr ansieht, ob er „Ossi“ oder „Wessi“ ist.
Wir schauen uns an, was weltweit renommierte Architekten wie Renzo Piano für DaimlerChrysler, was Helmut Jahn für Sony zustande gebracht haben. Wir blicken in das das vom französischen Lichtkünstler François Morellet dekorierte Atrium der DaimlerChrysler Services. Das Mittelschiff der Pariser Notre-Dame soll dort bequem hineinpassen.
Wenn Sie es wünschen, werfen wir einen Blick in die Kunstsammlung DaimlerChrysler Contemporary im ehemaligen Weinhaus Huth (www.sammlung.daimlerchrysler.com), fahren wir in 20 Sekunden mit dem schnellsten Fahrstuhl Europas auf die Aussichtsplattform des Backsteinhochhauses von Hans Kollhoff (Eintritt: 3,50, erm.2,50 Euro; www.panoramapunkt.de).

Wo während der Teilung der Stadt an Mauertouristen Berliner Luft in Tüten verkauft wurde, blicken wir nun unter der an den Fudschijama erinnernden Dachhaube des Sony Centers zum Kaisersaal des alten Hotels Esplanade empor. Ihm gegenüber das Entrée des Weltklassehotels Ritz Carlton.
Entlang des Doppelstreifens von Pflastersteinen bewegen wir uns auf ehemaligen Todesstreifen zwischen Ost und West. Hier hatten früher preußische Adlige und Minister ihre Gärten, hier hauste Hitler die letzten Kriegsmonate in seinem Führerbunker. Hier erstreckt sich heute das Stelenfeld des Denkmals für die ermordeten Juden Europas.
Durch das Gebäude der Akademie der Künste, das trotz Mauernähe 1961 nicht vollständig abgerissen wurde, erreichen wir den Pariser Platz und das Brandenburger Tor, verbotene Zone zur Mauerzeit. Wer hätte gedacht, dass sich Ronald Reagans Worte von 1987 jemals erfüllen würden: „Mister Gorbatschow, open that Gate!“
Jenseits des Reichstagsgebäudes überqueren wir die Spree an jener Stelle, wo sich in den 28 Mauerjahren Schreckliches zugetragen hat. Heute wird der Fluss von Ost nach West vom „Band des Bundes“ in einer großen symbolischen Geste überspannt.
Im unteren Teil des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses, der Bibliothek des Bundestags, sehen wir das von Ben Wargin gestaltete Mauermahnmal. Wir verweilen einen Moment vor seinem „Parlament der Bäume gegen Krieg und Gewalt“, dass der Künstler 1889/90 auf dem Grenzstreifen am Ostufer der Spree geschaffen hat.
Über die Kronprinzenbrücke hinweg blicken wir auf den Humboldthafen und erinnern an Günter Litfin, jenen 24 Jahre alten Schneider, der dort am 24.August 1961 als erstes Opfer der Mauer ums Leben kam.
Wenn Sie sich bei diesem Rundgang ganz der Mauergeschichte widmen, die neue Architektur des Potsdamer Platzes außen vor lassen wollen, könnten wir uns auch am Checkpoint Charlie, Friedrich-/Ecke Zimmerstraße treffen und den denkmalgechützten Mauerabschnitt in der Niederkirchnerstraße einbeziehen.


Mehr Information:

Gerhard Drexel, Rund um den Potsdamer Platz, be.bra verlag, berlin-brandenburg

www.potsdamerplatz.de

Berliner Mauerstreifzüge. Auf politisch-historischen Spuren entlang des ehemaligen Grenzstreifens. Kostenlose Broschüre der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus von Berlin: Tel.: - 030 - 23 25 24 00 ; e-mail: gruene@gruene-fraktion-berlin.de

Thomas Flemming, Hagen Koch, Die Berliner Mauer. Geschichte eines politischen Bauwerks, be.bra verlag berlin. brandenburg, 2004 ( erhältlich als Sonderausgabe für die Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Berlin, An der Urania 4 –10, Ecke Kurfürstenstraße, 10787 Berlin-Schöneberg, www.landeszentrale-politische-bildung-berlin.de )

Berlin 1945 –1989. Past Finder. Stadtführer zu den Spuren der Vergangenheit, Christoph Links Verlag Berlin, 2. durchgesehene Auflage 2006 ( ebenfalls erhältlich bei der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Berlin,s.o. )

www.berliner-mauer-dokumentationszentrum.de

www.mauermuseum.de

www.chronik-der-mauer.de